Ergänzende Hinweise zur radiologischen Belastung der Lebensmittel in Japan
Die Botschaft hat seit der AKW-Havarie von Fukushima die Entwicklung der Lebensmittelsituation kontinuierlich verfolgt und von deutschen Strahlenschutzexperten bewerten lassen. Deren Einschätzung deckt sich mit den Einschätzungen anderer EU-Mitgliedstaaten und der EU-Delegation in Tokyo:
http://www.deljpn.ec.europa.eu/modules/world/afs/fsj/index.html
Derzeit können alle im Handel erhältlichen Lebensmittel als radiologisch unbedenklich angesehen werden.
Es ist zwar nicht völlig auszuschließen, dass über die gesetzlichen Vorsorge-Grenzwerte hinaus belastete Lebensmittel trotz bestehender Verbote und Kontrollen in den Handel gelangen. Dieses wäre in einem entsprechenden Fall auch in Europa nicht völlig auszuschließen. Entscheidend für die Gesundheitsbelastung ist aber die so genannte mittlere jährliche Ingestionsdosis, die sich aus der Summe der Aktivitätskonzentrationen in den konsumierten Lebensmitteln bei normaler Ernährungsweise ergibt. Selbst unter sehr pessimistischen Annahmen – d.h. unter Einbeziehung mehrfachen Konsums von über den Vorsorge-Grenzwerten liegenden Lebensmitteln - läge diese mittlere jährliche Ingestionsdosis deutlich unter 1 Millisievert; für den Großteil der Bevölkerung dürfte sie bei realistischer Betrachtungsweise deutlich weniger als ein Zehntel dieses Wertes ausmachen. Das gesundheitliche Risiko wird deshalb als sehr gering angesehen.
Um den Deutschen in Japan, insbesondere den auf Dauer in Japan lebenden Deutschen, eine auf die jeweilige Lebenssituation bezogene eigene Risikoeinschätzung zu ermöglichen, weist die Botschaft ergänzend auf folgendes hin:
Auf die Fragen, was Strahlung überhaupt ist, welche Strahlendosis wir auf natürliche Weise täglich erhalten und ab wann Strahlung gefährlich wird, gibt u.a. die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) auf einer Sonder-Website über das AKW Fukushima I Antworten.
Dort finden Sie auch einen Überblick über die Höhe der natürlichen und künstlichen Strahlung, die uns auch in Deutschland bereits im Normalfall umgibt. Die Übersicht ist hilfreich, um das individuelle Risiko einer zusätzlichen Strahlenexposition bewerten und in den Kontext der Gesamtstrahlenexposition einordnen zu können.
Mittlere Werte der Strahlenexposition durch verschiedene Quelle in Deutschland [pdf, 61,04k]
Mit der Aufnahme von Radionukliden (instabile Atomkerne, die unter Aussendung radioaktiver Strahlung in stabile Atomkerne zerfallen) über die Nahrung wird der menschliche Körper einer Strahlung von Innen ausgesetzt („interne Strahlenexposition“). Zur Begrenzung dieser internen Exposition hat die japanische Regierung Vorsorge-Grenzwerte für Radionuklide in Lebensmitteln festgelegt, die im April von der EU für die Einfuhr japanischer Lebensmittel übernommen wurden (und damit die vormals innerhalb der EU geltenden weniger strengen Grenzwerte ersetzten). Die Vorsorge-Grenzwerte für Caesium-134/137 betragen 200 Becquerel/kg (Bq/kg) für Trinkwasser, Milch und Milchprodukte und 500 Bq/kg für alle anderen Nahrungsmittel.
Vorsorge-Grenzwerte (Japan) [pdf, 231,71k]
Seit Anfang Mai sind praktisch nur noch die Radioisotope Caesium-134 und Caesium-137 relevant; Jod-131 dagegen ist aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit nicht mehr zu berücksichtigen.
Die Überwachung der Lebensmittelkette („Lebensmittel-Monitoring“) in Japan erfolgt durch die Kontrollbehörden der Präfekturen auf der Grundlage von Richtlinien des MHLW (Ministry of Health, Labour and Welfare). Auch die Analyse der Lebensmittelproben erfolgt durch Laboratorien in den Präfekturen, die durch nationale Institute unterstützt werden. Die Analyseergebnisse werden nahezu täglich aktualisiert und regelmäßig auf den nachfolgend aufgeführten englischsprachigen Webseiten des MHLW und des MAFF (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries) verfügbar gemacht. Dort finden sich auch Mitteilungen sowohl über Verbote als auch über die Aufhebung von Verboten des Inverkehrbringens bestimmter Lebensmittel aus bestimmten Regionen.
MHLW (Analyseergebnisse aller Lebensmittel und Trinkwasser)
MAFF (Detailinformationen zu tierischen Lebensmitteln, Fisch und Meeresfrüchten)
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der vom 19. März 2011 und bis zum 19. März 2012 durchgeführten Lebensmitteluntersuchungen finden Sie hier:
Jahresbericht zu Lebensmitteln und Leitungswasser [pdf, 113,42k]
Ergänzende Informationen z.B. zur Bestimmung der effektiven Strahlendosis oder zur effektiven Halbwertzeit finden Sie in der Rubrik „Häufig gestellte Fragen“:
Mögliche Auswirkungen des Reaktorunfalls auf das Meeresökosystem und den dort gefangenen Fisch sind für Verbraucher besonders schwer einzuschätzen. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut hat sich diesen Fragen besonders angenommen und Informationen für Verbraucher auf seiner Webseite eingestellt:
http://www.vti.bund.de/de/startseite/startseite/faq-japan.html