Das Teehaus
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Teehaus
Das der Residenz in der Südflanke des Gartens gegenüberliegende Teehaus wurde nach dem Ersten Weltkrieg hier aufgestellt und stammt aus dem Nachlaß des in der Meiji-Zeit berühmten Erzählers (Rakugo-Künstlers) Sanyutei Encho (1839-1900), der es eigens für seine Freunde und sich bauen ließ. An dieser Stelle offenbart sich eine besondere Begabung der Japaner: die Fähigkeit, Überlieferungen fremden Ursprungs miteinander zu verschmelzen und zu ihrem geistigen Eigentum zu machen.
In der japanischen Tee-Zeremonie sind geistige Stoffe des Zen-Buddhismus und der konfuzianischen Renaissance der Sung-Dynastie miteinander verwoben. Es waren die japanischen Zen-Beflissenen des 12. und 13. Jahrhunderts, die den Tee auf ihren Wanderungen durch die buddhistischen Klöster Chinas kennenlernten und - mit den ersten Teepflanzen - die Sitte des Teetrinkens auf die Inseln mitbrachten.
Aus dieser Erfahrung entwickelte sich im 14. und 15. Jahrhundert eine - zumeist zwanglose - Form gemeinsamen Teetrinkens, die im 16. Jahrhundert in ein strenges Zeremoniell gefaßt wurde. Das "Tee-Kosten" wurde ein Mittel der kultivierten Unterhaltung im kleinen Kreis gleichgestimmter Menschen mit buddhistischen und ästhetischen Neigungen. Der Shogun Ashikaga Yoshimasa (1449-1472) errichtete den ersten Teeraum von 4 1/2 Matten als Rückzugsmöglichkeit aus den Tagesgeschäften. Die Unterwerfung unter die Etikette des Teetrinkens war zugleich ein Weg zur Entspannung und inneren Läuterung. Das Reinigen der Hände und das Spülen des Mundes vor Betreten des Teeraums diente der seelische Einstimmung auf das "Verlassen der Welt".
Die bewußt einfach gehaltene Ausstattung des Raums und des Teegeräts sollten zur Schlichtheit und zur Aufgabe alles falschen Gehabes anhalten. Nach den Regeln eines Tee-Meisters des 16. Jahrhunderts sollte beim Gespräch jede Schmeichelei und Wohlrednerei unterbleiben. Die für das Zusammensein vorgesehene Zeit von höchstens zwei Stunden durfte nur überschritten werden, wenn zwei Themen behandelt wurden: die Lehre Buddhas und die Ästhetik.